Offener Brief an alle Vorstände der Vereine des Badischen Judoverbands

Am 15.04.2013 10:02, schrieb Swen Slottke:

Liebe Judoka,

wir wenden uns heute mit einem wichtigen Anliegen per Rundmail an euch, mit der Bitte euch für die nächsten Zeilen etwas Zeit zu nehmen und uns ein Feedback zu senden. Rein zufällig - obwohl wir seit 1977 beitragspflichtig Mitglied im Badischen Judoverband sind, erfuhren wir von einer gravierenden Änderung der Grundsatz- und Verfahrensordnung für Judoprüfungen von der wir, und aller Wahrscheinlichkeit nach alle der Größe und Ehrenamtlichkeit ähnlich aufgestellten Judovereine, bestandsbedrohend betroffen sind.

Die hier im Folgenden – auszugsweise wiedergegebene Verfahrensordnung- soll von der Mitgliederversammlung am 09.06.13 in Bühlertal (s. Homepage BJV) bestätigt werden. (wir sind uns an dieser Stelle nicht sicher, ob Punkt 3; 3.1 und 3.2 so der letzten Mitgliederversammlung schon vorgelegt wurden, da wir – wie auch dieses Jahr - weder eine Einladung für die Versammlung noch ein Protokoll der letzten Sitzung erhalten haben. Dies ist aber zweitrangig, da die Gesamtordnung Grundsatz- und Verfahrensordnung für Judoprüfungen bestätigt werden soll.) Hier der Originaltext (Auszug):

Zitat: 3. Erwerb einer Kyu-Prüferlizenz 3.1 Prüferlizenz Stufe I Die Kyu-Prüferlizenz der Stufe I berechtigt zur Abnahme von Prüfungen vom 8. bis 4. Kyu. Die Prüferlizenz der Stufe I erhält, wer die unter § 2 genannten Bedingungen erfüllt, eine gültige Trainerausbildung (mind. Sportassistent oder Schülermentoren) vorweisen kann und an einem Prüferlizenzlehrgang der Stufe I des BJV erfolgreich teilgenommen hat. 3.2 Prüferlizenz Stufe II Die Kyu - Prüferlizenz der Stufe II berechtigt zur Abnahme von Prüfungen vom 3. bis 1.Kyu. Die Prüferlizenz der Stufe II erhält, wer die unter §2 genannten Bedingungen erfüllt, mindestens 1 Jahr Inhaber der Kyuprüferlizenz der Stufe I ist und mind. 2 Prüfungen als aktiver Prüfer, sowie eine gültige Trainerausbildung (mind. Trainer C Judo der DOSB - Lizenzstufe I über 120 Übungseinheiten) nachweisen kann und an einem Prüferlizenzlehrgang der Stufe II des BJV erfolgreich teilgenommen und die Abschlussprüfung bestanden hat. - Zitatende

 

Bekanntlich ist der 8. Kyu Grad die Prüfung zu weiß-gelb, und der 4. Kyu Grad die Prüfung zu orange-grün. Diese Prüferlizenzregelung lehnen wir aus nachfolgenden Gründen strikt ab und möchten die Bestätigung dieses Vorstandsbeschlusses durch die Mitgliederversammlung verhindern: Diese Neuregelung ist eine nicht hinnehmbare Degradierung unseres ersten Vorsitzenden und Träger des 2. Dans Toni Müller und aller weiteren Danträger im Badischen Judoverband die keine Trainer C Lizenz besitzen.

Um in Zukunft nach der neuen Prüfungsordnung wenigstens die Prüfungen bis zum 4. Kyu abnehmen zu dürfen muss unser langjähriger Trainer nun nach 14 abgenommen Prüfungen vom 8. Kyu bis 1. Kyu zwei Wochenendlehrgänge besuchen; UND um bis zum 1. Kyu prüfen zu dürfen muss er um die Trainer C Lizenz zu erlangen einen Lehrgang absolvieren, der 120 Übungseinheiten und 210 Euro Gebühr plus Fahrtkosten plus evtl. Übernachtungen beinhaltet. Nicht jeder Verein hat das Geld, dies zu finanzieren. Die bisherige Regelung sah einen Tag Lehrgang mit anschließender Verlängerung der Lizenz 8.-1. Kyu für weitere drei Jahre vor. Wir, Toni und Dani Müller, führen unseren Verein seit 15 Jahren als Vorstand. Toni Müller war Gründungsmitglied 1977 und kann anhand seiner Jahressichtmarken, nach Aussetzen in der Ausbildung und Familiengründung, 25 Jahre aktiven Judosport nachweisen.

Davon wie gesagt 15 Jahre als erster Vorstand und Trainer, seit 2003 nach Ablegen des 1. Dans auch als Prüfer. Seit 2006 prüft, nach Ablegen des 1. Dans auch Dani Müller. Toni Müller legte 2006 den 2. Dan ab. Somit leiten wir beide den Verein seit 15 Jahren als Trainer und Vorstände.

Der Verein wurde uns damals von Ulrich Schneider offiziell „übergeben“, da er seine Vereinstätigkeit aus Krankheitsgründen nicht mehr ausüben konnte, und der froh war über unser Engagement. Ansonsten wäre der Verein aufgelöst worden, weil sich niemand für die Nachfolge und die damit verbundene Verantwortung bereit erklärte. Wir haben bereits nach einem Jahr den aktiven Mitgliederstand von 16 auf 40 Mitglieder hochgefahren, zu 90 % bestehend aus Kindern und Jugendlichen. Das Ganze mit Freude am Judosport und viel selbstlosem Einsatz von Energie und Freizeit. Wir mussten zeitweilig sogar Aufnahmestopp verhängen, da die "Matte einfach zu voll" wurde. Seither sind ca. 100 Kinder und Jugendliche bei uns gewesen, was wir anhand der bei uns verbliebenen Budo-Pässe nachweisen können.

Auf Nachfrage werden uns diese Mitglieder oder deren Eltern jederzeit professionelle Arbeit mit den Kindern bestätigen. Trotz der jedem bekannten Fluktuation ist unser Bestand immer noch gleich groß mit ca. 40 Aktiven, da für jeden Jugendlichen, der erfahrungsgemäß nach der Pubertät ausscheidet, wieder ein Kind nachgefolgt ist. Seit Jahresanfang liegen uns wieder zehn neue Anmeldungen von Erwachsenen und Kindern vor. Unsere Arbeit läuft offensichtlich hervorragend! Unsere Judo-Kinder haben, was pädagogisch gesehen ein ganz normaler Vorgang ist, vor jeder Prüfung Angst.

Selbst wenn sie von uns, ihren bekannten Trainern geprüft werden. Damit wir von externen Prüfern, die sie in noch mehr Angst versetzen, absehen können, haben wir beide, wie gesagt NUR ZUM WOHL der uns anvertrauten Kindern, unsere Dan-Prüfungen abgelegt. Deren Vorbereitung übrigens bei voller Berufstätigkeit kein Zuckerschlecken ist! Auch unser Familienleben musste zurückstecken. In unserem Verein wird erstrangig Wert auf Zusammengehörigkeit, Gemeinschaft und Kameradschaft, Geborgenheit, steten Kontakt mit den Eltern, körperliche Ertüchtigung sowie Kenntnis und Durchführung der Judo-Etikette, gelegt. Daher sind wir auch kampftechnisch selten auf Meisterschaften vertreten. Wir zwingen unsere Kids auch nicht dazu, ihnen reicht das Vereinsleben mit Spaß am regelmäßigen Training vollkommen aus. Dass wir unsere Kinder und Jugendlichen erfolgreich „von der Straße in den Sport holen“ und sinnvoll körperlich und freizeittechnisch beschäftigen, sie auch über die Prinzipien des Judosports unterrichten, das kann auch unser Ortsvorsteher, der über unser Vereinsleben auf dem Laufenden ist, jederzeit bestätigen. Das heißt im Klartext, wir investieren jede Menge unserer Freizeit für den Verein! Und jetzt sollen wir auch noch, um die Prüferlizenz verlängern zu können, Trainer- und Übungsleiterlehrgänge besuchen!! Mit 6 Wochen jährlichem Erholungsurlaub als Berufstätiger ist das ein noch größeres Opfer als das sonstige Ehrenamt im Verein!!

Das alles hat mit Judo nichts mehr zu tun, das ist reine Geldmacherei und Abzocken der Trainer und Vereinsvorstände!! Wir werden bestimmt keine Freizeitwochenenden und Urlaubswochen zusätzlich für diese unangemessen langen Lehrgänge opfern, geschweige denn uns externe Prüfer ins Haus holen. Die Prüflinge sind – nicht zu vergessen – Kinder. Und wir Trainer wissen genau, welche Leistungen und Fortschritte sie über das Jahr gemacht haben und dann vor externen Prüfern stehen und evtl. versagen. Schickt mal ein Kind nach der Prüfung heim mit der Bemerkung:

Du hast nicht bestanden! Aus diesem Grund lassen wir nur die Kinder zur Prüfung zu, von denen wir wissen, dass sie die Anforderungen erfüllen. Wir leisten mit unserer langjährigen Erfahrung sehr gute Vereinsarbeit im Judosport und benötigen keine "regelmäßige Auffrischung", siehe nachfolgendes Zitat aus den FAQ. Der Sinn, an eine ehrenamtliche Tätigkeit derart hohe Anforderungen zu stellen, erschließt sich uns nicht. Eher lösen wir unseren Verein, der bekanntlich zu 100 % aus Ehrenamt besteht, auf. Und wir sind uns sicher, dass wir nicht die einzigen sind, die darüber so denken. Diese Neuregelung bedeutet ein Sterben aller kleinen Vereine und widerspricht dem Zweck, den Judosport zu verbreiten, wie das unter anderem im Paragraphen 3 Punkt 2 der Satzung des Badischen Judoverbandes beschrieben ist: „... Der BJV verfolgt das Ziel, die betriebenen Sportarten in Theorie und Lehrtätigkeit zu verbreiten ...“ DIESES „STERBEN“ VERSUCHEN WIR DURCH UNSER HEUTIGES SCHREIBEN ZU VERHINDERN. Sollte die Prüfungsordnung trotz unserer Bedenken durch die Mitgliederversammlung durchgewunken werden, wird zwangsläufig umgehend der Austritt unseres Vereins aus dem Badischen Judoverband bekannt gegeben und dieser traurigerweise aufgelöst.

Natürlich haben wir uns mit unserem Anliegen zuerst an den Vorstand des BJV gewandt. Hier erfuhren wir, außer dem Hinweis unsere Bedenken auf der Mitgliederversammlung zu artikulieren, die unserer Meinung nach recht dürftigen Legitimierungen für die "Verschärfung der Regelung" : Zitat: Die technische Qualität des Judoka ist ein wesentlicher Aspekt einer Kyuprüfung und des gesamten Ausbildungsprozesses eines Judoka. Um diesem gerecht zu werden, ist es erforderlich, dass die Trainer und Prüfer in der Lage sind, selber auch die geforderte Qualität zu leisten.

Mit der Qualifikation des Trainer C ist gewährleistet, dass einem Prüfer die entsprechenden didaktischen und methodischen Grundlagen, sowie entwicklungsphysiologische und psychologische Erkenntnisse bekannt sind und regelmäßig aufgefrischt und erweitert werden. Zitatende.

Anscheinend sind wir mit Verabschiedung der neuen Prüfungsordnung nicht mehr in der Lage, die geforderte Qualität in der Judoka-Ausbildung zu leisten, weil es uns als langjährige Trainer an didaktischen und methodischen Grundlagen sowie entwicklungsphysiologischen und psychologischen Erkenntnissen mangelt. Nach Meinung des Badischen Judoverbandes verfügen wir als langjährige ehrenamtliche erfolgreiche Trainer und Prüfer nicht über die Fähigkeit eine ordnungsgemäße Prüfung der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen abzunehmen.

LIEBE JUDOKA, wenn Ihr die Situation ähnlich beurteilt bzw. betroffen seid, können wir nur raten bei der Mitgliederversammlung am 06.09.2013 anwesend zu sein und entsprechend abzustimmen. Zeitgleich geht von uns ein Antrag an die Mitgliederversammlung des BJV für den 09.06.13 fristgerecht raus. Mit sportlichen Grüßen Toni und Dani Müller, 1. Vorstand und Schriftführerin, sowie die restliche Vorstandschaft sowie Swen und Kirsten Slottke, aktive Mitglieder des Judoclub Waltersweier e. V. Hubertusstraße 21 77656 Offenburg www.judoclub-waltersweier.de